Orden und Säkularinstitute im Bistum Aachen
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Ordensleute im Bistum sprechen über Alltag und Wandel

Lebt seit 2002 in Haus Broich mit afrikanischen Mitbrüdern unter einem Dach: Spiritaner Konrad Breidenbach.

Vollbild Ordensleute im Bistum sprechen über Alltag und WandelGalerie Ordensleute aus dem Bistum sprechen über Alltag und Wandel Ordensleute aus dem Bistum sprechen über Alltag und Wandel Ordensleute aus dem Bistum sprechen über Alltag und Wandel Ordensleute aus dem Bistum sprechen über Alltag und Wandel

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 42/2015

Wie geht es gemeinsam weiter?

Ordensleute aus dem Bistum sprechen über den Alltag und den Wandel ihrer Gemeinschaften

Sie bindet Menschen zusammen und drückt zugleich die Art und Weise aus, wie Ordenschristen die oft über Jahrhunderte geprägte Identität ihrer Klöster aktuell Ausdruck und Gesicht verleihen: die Gemeinschaft.

Die Art und Weise, wie aus Individuen ein Ganzes wird, ohne dass der Einzelne bis zur Unkenntlichkeit darin verschwindet, gehört zu den Merkmalen, die am stärksten nach außen wie nach innen wirken. Doch durch die Gemeinschaft präsentieren sich die Orden und Kongregationen nicht nur mit ihrer Geschichte und Spiritualität – sie zeigen sich auch in ihrer Internationalität und Interkulturalität.

 

Wenn Nachwuchs aus dem Ausland einzieht

Das hat es auch in den vergangenen Jahrzehnten gegeben – nur ist die Bewegungsrichtung eine grundsätzlich andere geworden: Während noch bis vor nicht allzu langer Zeit Scharen von Schwestern und Brüdern von Deutschland und Europa in alle Welt zogen und zum Teil noch immer ziehen, werden nun die einst entsendenden Länder und die Klöster dort zu Empfangenden. Priester aus Afrika und Ordensfrauen aus Asien sind längst in der deutschen Wirklichkeit angekommen und verstärken hier Konvente, die wegen des ansonsten meist hohen Altersdurchschnitts von argen Nachwuchssorgen geplagt werden.

Eines der Klöster, in denen es derart international zugeht, ist das Missionshaus der Spiritaner in Würselen-Broich bei Aachen: „Dass ausländische Mitbrüder hier in Broich sind, ist seit 2002 so“, weiß einer der Bewohner, Pater Konrad Breidenbach. Sein Hausoberer ist dann auch ein Kenianer, Pater Barnabas Mang’era. Der zollt zunächst einmal den älteren deutschen Mitbrüdern seinen Respekt: „Vom Alter her haben die einfach mehr Erfahrung.“ Um die Grundlagen des Zusammenlebens von Afrikanern und Europäern, von Jungen und Alten weiß Pater Barnabas sehr gut: „Vom Glauben her gibt es kein Problem damit.“

Im Kontrast zu Pater Breidenbach bekennt Schwester Magdalena Merkt, Oberin der Schwestern von der Liebe und vom kostbaren Blut (Broichweiden): „Diese Internationalität kenne ich gar nicht.“ Mit 55 Jahren ist sie noch die Jüngste im ganzen Konvent: „Die anderen Schwestern sind zwischen 75 und 90.“ Schwester Stefanie Kallenborn vom Orden der Vinzentinerinnen, eine Mittvierzigerin, die aus dem Saarland stammt und seit vielen Jahren in Mönchengladbach lebt, erfährt das Zusammenleben mit ihren Schwestern vor einem etwas anderen Hintergrund, der weniger von Interkulturalität geprägt wird. Die ist ihr gleichwohl bewusst, wenn sie an die Generalversammlungen des Ordens denkt: „Da ist die ganze Welt zusammen.“ Der Akzent liegt in einem anderen, allgemeineren Bereich: „Durch unseren Glauben können wir überwinden, was uns so menschlich treibt.“

In ihrer Gemeinschaft, die zum Zeitpunkt des Gesprächs aus sechs Schwestern besteht, gilt aber noch ein Grundsatz: „Wir sind miteinander da und füreinander da.“ Ihren sinnfälligsten Ausdruck findet diese geistige Haltung in der Bezeichnung für das Amt der Oberin, das Schwester Stefanie versieht: Sie ist „Schwester Dienerin“. Die leugnet keineswegs, dass es für das Zusammenlebens der Gruppe gewisse Richtlinien geben muss: „Die Gemeinschaft kann nur funktionieren, wenn sie gewissen Regeln folgt.“ Was die Altersschichtung im Mönchengladbacher Konvent und der weiter reichenden Gemeinschaft betrifft, äußert Schwester Stefanie einen gewissen Pragmatismus: „Die Schwestern sind älter geworden, und es ist wenig nachgekommen.“

Pater Konrad Eßer von den Oblaten des heiligen Franz von Sales aus Haus Overbach bei Jülich kann sich, gebürtiger Kölner, der er ist, ein Schmunzeln nicht verkneifen: „Bei uns zeigt sich die Internationalität darin, dass wir mit Bayern und Österreichern in einer Provinz leben.“ Klar ist aber auch eines: Die Jüngeren, die „Mitbrüder unter 30“, so Pater Eßer, fehlen seiner Gemeinschaft und dem gesamten Orden. Die Perspektiven des Salesianer-Oblaten klingen skeptisch, wenn nicht gar pessimistisch: „Die Gemeinschaft sinnvoll zu Ende führen“ definiert er als wichtige Maxime und bilanziert mit Blick auf die Niederlande, wo die Entwicklung schon weiter fortgeschritten ist: „Wir gehen der Vollendung entgegen.“

 

Nach dem Austausch ist die Luft geputzt

Wie es weitergehen soll, deutet der Ordensmann zumindest an: indem er von seinen „guten Erfahrungen mit Säkularinstituten und Assoziierten“ spricht. Schwester Stefanie hingegen hegt noch viel Hoffnung, denn sie formuliere ihre Sicht der Zukunft relativ offen bis optimistisch: „Meine Gemeinschaft, die gibt’s – und sie wird sich wandeln müssen.“ Pater Konrad Breidenbach, Mitglied der Spiritaner vom Kloster Broich, greift gern ein Stichwort von Schwester Stefanie auf: „Ich bin Pater Diener.“ Zwar sei er „oft unterwegs“. Aber trotzdem und sowieso gelte: „Ich bin gerne hier im Haus.“

Zum Charisma dieser Gemeinschaft gehört für Pater Breidenbach auch die Art, wie hier mit Konflikten umgegangen wird: „Wenn es unter uns ein Missverständnis gibt, dann finden wir eine Lösung.“ Dazu gibt es auch feste Formen: „Jeden Mittwoch trifft sich die Kommunität.“ Bei Schwester Stefanie und den Ihren heißt dieses Instrument Konferenz: „Danach ist die Luft geputzt.“ Pater Konrad Breidenbach hat allerdings auch eine andere Erfahrung gemacht und formuliert mit leiser Skepsis: „Bei Älteren ist die Belastbarkeit oft schnell erreicht.“

Bei Pater Konrad Eßer ist es eher so etwas wie eine leise Melancholie: „Was war am Anfang und was ist davon heute noch aktuell?“ Nach dieser Formel befragt er die Tradition seines Ordens und des Ordenslebens überhaupt. Das macht die Weisheit der Senioren und den Ideenreichtum der Jüngeren aus: Sie sind in der Lage, im Strom der Zeiten den Gang der Dinge für die Kirche zu erkennen. Sie wissen, dass diese Geschichte mit ihnen aufhören kann. Aber darum geben sie die Spiritualität und das Miteinander, mit denen sie diese Orientierung leben, noch lange nicht auf. Im Gegenteil: Sie entwickeln Kreativität, um diese Ideale in die Zukunft weiterzureichen – im Jahr des geweihten Lebens und weit darüber hinaus.


Von Christoph Hahn

Veröffentlicht am 29.10.2015

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